Beizen

Nur durch ein dem Färben vorangegangenes Beizen ist es möglich, dass die Farbmoleküle beständig an der Faser haften! Die Moleküle der Beize setzen sich an die Fasern. An diesen wiederum haften dann die Farbstoffe und gehen eine Verbindung mit den Fasern ein.

Zum Ansetzen der Beize eigenen sich große Emaille- oder Edelstahltöpfe. Behälter aus anderen Materialien können bereits einen verändernden Einfluss auf den späteren Farbton beim Färben haben. Ich bevorzuge antike Eimer, die ich auf Flohmärkten gefunden habe.

Die gebeizten Textilien spüle ich vor dem Färben nochmals mit warmem Wasser aus. Ich hatte beobachtet, dass so die Farben intensiver werden. Im Buch „Leitfaden um Färben mit Pilzen“ bestätigt Karin Tegeler meine Annahme.

Die Farbstoffe legen sich auch an lose Moleküle der Beize und haften dann nicht der Faser an, sondern verbleiben ungenutzt im Sud.

Schonendes Beizen mit Alaun

Kaliumaluminiumsulfat ist unter dem Namen Kalialaun oder Alaun bekannt. Schon in der Antike gewann man Alaun aus dem Mineral Alunit (Alaunstein), um es als Flammschutzmittel auf Holz zu verwenden. Bis ins ausgehende Mittelalter wurde der Alaunstein aus dem Orient eingeführt. Im Jahr 1462 wurde bei Rom ein reiches Alunitvorkommen entdeckt, das bis in das  Jahr 1500 von der Kirche und der Familie Medici ausgebeutet wurde. Danach konnte man den Alaun auch aus Schwarzschiefer oder Tonschiefer gewinnen und danach entstanden zahlreiche Alaunwerke in Europa.

Neben dem Einsatz in der Ledergerberei war Alaun für die Färberei unverzichtbar.

In der Medizin und in Rasiersteinen wird Alaun als Adstringens zum Stillen von Blut eingesetzt.

Als Lebensmittelzusatzstoff ist Kaliumaluminiumsulfat als Stabilisator und Festigungsmittel unter der Bezeichnung E 522 zugelassen.

Das mineralische Beizmittel ist in gemahlener Form als Pulver oder als Kristall erhältlich.

Um die Fasern zu schonen beize ich nicht mit hohen Temperaturen, sondern wende dieses alternative Verfahren an:

Beizen von Wolle mit Alaun

Grundrezept

  • 150 g Alaun in 1 Liter warmen Wasser auflösen und dann in 24 Liter kaltes Wasser einrühren
  • 1000 g Textilfaser gründlich in Wasser einweichen und dann feucht in das kalte Beizbad einlegen
  • Textilfaser im Beizbad auf etwa 40 °C erwärmen

Ich bevorzuge das Verbleiben der Fasern im Beizbad über Nacht, damit die Beize gut eindringen kann. Eine längere Einwirkzeit ist immer möglich, verbessert jedoch das Färbeergebnis kaum.

  • Die gebeizten Textilien mit warmem Wasser gründlich ausspülen

Kalt Beizen mit Soda (Natriumcarbonat), Essigessenz und Alaun

Pflanzliche Fasern wie Baumwolle und Leinen nehmen die Pflanzenfarben eher verhalten an. Daher lege ich Textilien oder Garne aus Pflanzenfasern in essigsaure Kaltbeize ein. In alten Büchern habe ich gelesen, dass die Textilien eine Stunde im Sodabad gekocht werden sollten. Doch dieser Vorgang erwies sich als nicht gerade schonend für die Fasern. Nach einigen Versuchen hat sich diese Beize als besonders schonend und effektiv für die Färbung von pflanzlichen Fasern erwiesen. Die Vorbereitungszeit ist zwar deutlich länger, doch der Aufwand lohnt sich. Die Beize verdirbt nicht und kann so lange verwendet werden, bis sie aufgebraucht ist.

Grundrezept
  • Einen Eimer mit ungefähr 20 Liter Wasser bereitstellen
  • 150 g Alaun in 1 Liter warmen Wasser auflösen und dem Wasser im Eimer zufügen
  • 100 g Essigessenz ebenfalls dem Wasser zufügen
  • 50 g Natriumkarbonat/Soda in 1 Liter Wasser auflösen und dann ebenfalls einrühren. Die Essigsäure reagiert mit der alkalischen Lösung, daher ist ein wenig Vorsicht geboten!
  • 1000 g Textilfaser gründlich in Wasser einweichen und dann feucht in das kalte Beizbad für mindestens 12 Stunden einlegen
  • Fasern im Beizbad ab und zu sanft bewegen
  • Die gebeizten Textilien mit warmem Wasser gründlich ausspülen.

Natriumkarbonat (Na2CO3) wird durch Abbau natürlich vorkommender Minerale gewonnen. Das auch unter der Bezeichnung (Wasch-)Soda oder kohlensaures Natron bekannte Reinigungsmittel ist preiswert von Heitmann oder Holste in Drogerien erhältlich. Es darf nicht mit Natriumbicarbonat, das auch Speisesoda bzw. Speisenatron genannt wird, verwechselt werden.

Beizen mit Rhabarberblättern

Beim Schreiben meines Buches „Grüner Putzen“ hatte ich mich mit der Verwendung von Rhabarberblättern- und schalen befasst. Die darin enthaltene Oxalsäure kann zum Beispiel zum Entfernen von Rostflecken verwendet werden. Weiterhin stieß ich auf den Hinweis, dass Oxalsäure zum Beizen von Holz eingesetzt wird. Seit einigen Jahren verwende ich die Blätter und Schalen von Rhabarber zum Färben.

Neben der vorgebeizten Wolle legte ich auch einen Strang ungebeizter Wolle in das Rhabarber-Farbbad ein.

Rhabarber-Beiz-Experiment

Das Foto zeigt den Unterschied zwischen der ungebeizten und vorgebeizten Wolle. Die ungebeizte Wolle wurde zwar nicht so intensiv dottergelb, doch hat die Farbe sehr gut angenommen.

In der Folge hatte ich den mit Rhabarber gebeizten Wollstrang mit Blutpflaumenblättern nachgefärbt. Das Färbeergebnis steht den vorangegangen Färbungen auf gebeizter Wolle kaum nach.

Ich kann daher das Experiment mit Rhabarberbeize als gelungen ansehen und werde sicher weitere Färbungen vornehmen. Um auch nach der Rhabarber-Saison eine Beize herstellen zu können, habe ich die Blätter und Schalen so klein wie möglich geschnitten und eingefroren.

Grundrezept zum Beizen von ungefähr 100g Wolle

 

  • Blätter und Schalen von 3 Stängeln Rhabarber klein schneiden
  • Zusammen mit ungefähr 3 Litern Wasser in einem Topf für etwa eine Viertelstunde kochen.
  • Abkühlen lassen und die Pflanzenteile absieben
  • Das Textilmaterial in den Sud einweichen
  • Textilfaser im Beizbad auf etwa 40 °C erwärmen
  • Die Textilfasern für einige Stunden oder über Nacht ins Beizbad legen, damit die Beize gut eindringen kann. Eine längere Einwirkzeit ist immer möglich, verbessert jedoch das Färbeergebnis kaum.
  • Die gebeizten Textilien mit warmem Wasser gründlich ausspülen.

Beizen mit Sojamilch

nach Rebecca Desnos nachzulesen in ihrem Buch „Botanical Colours at your Fingertips“

Bei dieser Beize habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Farbergebnis eher verhalten ist. Vor allem tierische Fasern wie Wolle und Seide nehmen die nachfolgende Färbung kaum an. Etwas bessere Ergebnisse konnte ich bei pflanzlichen Fasern wie Leinen, Hanf und Baumwolle erzielen.

Rezept zum Beizen mit Sojamilch nach Rebecca Desnos

 

  • Textilfasern in eine Schüssel oder einen Topf legen.
  • Sojamilch solange hinzugeben, bis die Textilfasern vollständig bedeckt sind.
  • Textilfasern für einige Stunden in der Sojamilch verweilen lassen.
  • Die gebeizten Textilien mit warmem Wasser gründlich ausspülen.

Wilde Möhre und Urmöhre – eine interessante Farbkombination

Urmöhren
Urmöhren

Vom Gemüsegärtner bekamen wir einige fast schwarze Urmöhren zum Probieren. Beim Schälen und Schneiden der Urmöhren färbten sich meine Hände sehr schnell dunkelviolett. Selbst Rote Beete schafft es nicht, die Haut so nachhaltig zu verfärben. Über den Einsatz der Urmöhren bei Naturfärbungen konnte ich weder im Internet noch in einem meiner Bücher finden. Also musste ich ein Experiment wagen.  Die Schalen und Reste der Urmöhren hatte ich zu einem Sud gekocht, der sich auch schnell dunkelviolett färbte. Daraus schloss ich , dass die vorbereitete Wolle ähnlich aussehen müsste. Den Wollstrang hatte ich zuvor mit Wilder Möhre gefärbt, doch das sehr verhaltene gelbgrün gefiel mir nicht wirklich. Daher musste die zarte Farbe der Wilden Möhre mit dem dunklen Violett der Urmöhre vereint werden. Beim Entnehmen war der Strang tatsächlich Auberginenfarben. Doch schon beim Auswaschen zeigte sich das typische Verhalten von roten Färbepflanzen: die Farbe änderte sich in ein dunkles Olivgrün. Beim Trocknen nahm die Wolle ihre endgültige Farbe an: ein dunkles Blau mit einem Schuss Olivgrün. Die Farbe harmoniert sehr schön zu dem hellen gelbgrün der Wilden Möhre und auch die Übergänge sind gut gelungen. Beim nächsten Mal werde ich die Urmöhre auf naturbelassenem Garn verwenden, mal sehen was sich dann für eine Farbe zeigt.

Möhrenfärbung
Möhrenfärbung

An dieser Stelle möchte ich noch betonen, dass ich zum Färben immer nur die Abfälle oder Rückstände von essbaren Pflanzen verwende und keine Lebensmittel verschwende!

Rezept dunkelblaue Färbung mit Urmöhre für 100 g Textilmaterial
  • 50 g Schalen und Reste von Urmöhren in 5 Liter Wasser aufkochen lassen
  • abkühlen lassen
  • abseien und Pflanzenmaterial ins Färbetuch einbinden
  • vorgebeiztes Färbegut direkt in den Farbsud mit dem eingebundenen Pflanzenmaterial einlegen
  • eventuell Wasser zugeben, damit das Färbegut bedeckt ist
  • auf ungefähr 70 Grad erwärmen
  • vom Herd nehmen
  • unter gelegentlichem Umrühren für einen Tag ziehen lassen
  • dann waschen und spülen

Weiterentwicklung

Viele Pflanzen färben intensiv, doch einige hinterlassen nur einen zarten Farbton auf dem Textilmaterial nach dem Auswaschen. Das Färbeergebnis kann durch nachbeizen verstärkt werden. Die Weiterentwicklung mit Eisenessig oder Kupferessig verleiht den Textilien einen dunkleren, intensiveren Farbton.

Der Vorgang der Weiterentwicklung ist relativ einfach. Hierfür gebe ich etwa 50 g Eisen-oder Kupferacetat auf gut 5 Liter Wasser. Dann weiche ich die Textilien in diesem Bad ein, bis sich die gewünschte Färbung einstellt. Danach spüle ich die Wolle nochmals gründlich, bevor ich sie zum Trocknen aufhänge. Die Weiterentwicklung geht recht schnell von statten und kann direkt beobachtet werden.

Oft gebe ich nur einen Teil des Wollstrangs in das Bad, um den Effekt für eine Farbabstufung zu nutzen.

Die mit Löwenzahn-Blüten gefärbte Wolle wurde mit Eisenessig stufenweise weiterentwickelt.

Färbepflanzen ernten und sammeln

Mit dem Sammeln der Pflanzen beginnt für mich der Spaß am Färben. Zu Beginn habe ich nur mit heimischen, selbst gesammelten Pflanzen gearbeitet und erst später die eine oder andere getrocknete Färbepflanze gekauft. Ich muss aber auch zugeben, dass nicht jeder meiner Versuche gelungen ist. Einige Pflanzen, die leuchtende Farben haben, hinterlassen auf Garn oder Stoff nur einen grauen Schleier. Andere wiederum haben mich angenehm überrascht.

Einige der Farben konnte ich Küchenabfällen wie zum Beispiel Zwiebelschalen, Blaukrautblättern oder Rote-Beete-Schalen entlocken. Selbst Rückstände aus der Marmelade-Herstellung landen im Färbetopf.

Meine Erfahrungen mit den einzelnen Pflanzen beschreibe ich bei den jeweiligen Rezepten.

Konservieren von Färbepflanzen

Nicht immer habe ich die Zeit, die gesammelten Pflanzen, Beeren, Rinden oder Wurzeln sofort zu verarbeiten. Es hat sich jedoch als völlig unproblematisch herausgestellt, die Färbepflanzen aufzubewahren. Blätter und Blüten verlieren nichts an ihrer Färbekraft, wenn sie getrocknet werden. Ebenso ergeht es mit Rinden und Wurzeln, die sich hervorragend trocknen und zum Beispiel in alten Apothekergefäßen aufbewahren lassen.

Färbemittel
Getrocknete Färbepflanzen in antiken Apothekergefäßen zieren das Küchenregal

Vor allem Beeren können sehr gut eingefroren werden, um dann später verwendet  zu werden. Ligusterbeeren entfalten sogar mehr Farbintensität, wenn sie eingefroren waren. Ich vermute, dass die Eiskristalle die Zellwände beschädigen und der Saft so besser austreten kann.

Beim Entsaften von Beeren für die Gelee-Herstellung bleiben immer reichlich Rückstände. Die kommen in den Färbetopf, bevor sie auf dem Kompost landen. Aus dem Trester von Aroniabeeren, Brombeeren und Holunderbeeren lässt sich noch viel Wolle färben. Da ich nicht alle Beeren auf einmal verarbeite, werden die Rückstände eingefroren, um sich dann in einer wunderbaren Färbesuppe zusammenzufinden. Das Ergebnis ist dann von der Zusammensetzung abhängig und auf jeden Fall schön.

Hier zieren die immergrünen Brombeerblätter im Winter den aus Brombeertrester gefärbten Filzhut.

Färberezepte

Auf diesen Seiten teilen wir mit dem geneigten Leser unsere Erfahrungen zu diesem spannenden Themenkomplex. Zahlreiche Rezepturen sollen dazu ermutigen eigene Erfahrungen bei der Verwendung von natürlichen Pflanzenfarben zu machen. Selbst wenn der Aufwand höher ist, so haben wilde Farben eine unvergleichliche Faszination gegenüber industriell gefärbten Garnen und Stoffen.

Die Färberküche

In früheren Zeiten waren die Färberküchen wegen der Geruchsbelästigung am Rand der Ortschaften angesiedelt. Meist direkt an einem fließenden Gewässer, um so den hohen Wasserbedarf zu decken.
Da ich nicht mit überriechenden Substanzen färbe, habe ich meine heimische Küche zur Werkstatt gemacht. Hier habe ich eine Feuerstelle und reichlich fließendes Wasser. Ein bis zwei Töpfe, einen Eimer sowie einen Holzlöffel finde ich hier auch. Kurzum – es bedarf keines großen Aufwands, um Stoffe oder Garne mit Hilfe von Pflanzen natürlich zu färben.

Färbegut mit Naturseife auswaschen

Nachdem die Wolle bzw. der Stoff dem Färbebad entnommen wurde, muss sie gründlich ausgewaschen werden. Ich verwende dafür ein handwarmes Bad mit Wollwaschmittel oder etwas aufgelöste Naturseife. Sehr gutes Erfahrungen habe ich mit dieser Seife gemacht, die ich selbst siede: Vanille-Honig-Schafmilchseife

Der hohe Lanolingehalt macht vor allem Wolle flauschig und glättet die Oberfläche.

Danach wird die Wolle bzw. der Stoff mit klarem Wasser gut ausgewaschen.

Nachbehandlung mit Lavendelessig

Oft wird Essig als Nachbehandlung der Wolle empfohlen, damit die Farbe fixiert wird. Ich habe mehrere vergleichende Versuche vorgenommen und konnte keinen Unterschied zwischen mit Essig nachbehandeltem Färbegut oder unbehandeltem feststellen. Doch Essig neutralisiert verbliebene Seifenreste im Textilmaterial und glättet die Fasern. Ich stelle immer eine „Spülung“ aus Apfelessig und Lavendel für das letzte Spülbad her. Dann duftet die Wolle zudem gut nach Lavendel und ist gut gegen Motten geschützt.

Rezept Lavendelessig
  • Zutaten
  • 2 Liter destilliertes Wasser oder Regenwasser
  • ½ Litermaß frische oder getrocknete Lavendelblüten
  • 5 Esslöffel naturtrüben Apfelessig
  • Zubereitung
  • Lavendelblüten in eine Schüssel geben.
  • Wasser aufkochen und damit die Blüten übergießen.
  • Sorgfältig umrühren und ziehen lassen, bis der Sud erkaltet ist.
  • Die Flüssigkeit durchsieben, damit keine Pflanzenreste in der Spülung sind.
  • Dann den Apfelessig einrühren. In Flaschen abfüllen und gut verschließen.

Weiterentwicklung mit Eisenessig (Eisenacetat, Rostessig)

Als ich mich mit den Möglichkeiten der Weiterentwicklung der gefärbten Textilien befasste, entschied ich, dass für mich Eisensulfat und Kupfersulfat nicht in Frage kommen. Beide haben die Gefahrstoffkennzeichung „Umweltgefährlich“ und „Gesundheitsschädlich“ – dies lässt sich mit meinen Ansprüchen nicht vereinbaren.

Ich bevorzuge Eisenacetat, auch Eisenessig oder Rostessig genannt. Dieser wird durch eine Reaktion von Eisen mit Essigsäure gewonnen. Schon in der Antike wurden mit Galläpfeln und Eisenacetat Textilien fast schwarz gefärbt. Die Herstellung von Eisen- oder Rostessig ist sehr einfach.

Rezept zur Herstellung von Eisenacetat (Eisenessig, Rostessig)

  • Ein Stück Stahlwolle in ein großes Schraubglas geben.
  • Mit weißem, preiswertem Speiseessig auffüllen.
  • Das Glas verschließen und für eine Woche stehen lassen.
  • Danach den inzwischen dunkel gewordenen Essig absieben und in einem verschlossenen Glas bis zur Verwendung aufbewahren.

Tinte aus Schopftintlingen

Schon ab Ende September konnten wir in diesem Jahr an Waldrändern und in Wiesen größere Gruppen von Tintlingen finden. Es ist sehr auffällig, dass die Pilze ihre Erscheinung binnen weniger Tage verändern und das zunächst weiße Fleisch schnell schwarz zerfließt. In zahlreichen alten Pilzbestimmungsbüchern fanden wir den Hinweis, dass sich der Pilz zur Herstellung von Schreibtinte eignet. Jedoch konnten wir nur die Auflistung der Zutaten ohne konkrete Rezeptur finden. Also haben wir ein wenig probiert, bis wir mit diesem Rezept eine gut funktionierende Schreibtinte herstellen konnten.


  • 4 bis 5 Schopftintlinge für etwa 3 Tage in eine Schale legen.
  • Die so ausgelaufene schwarze Flüssigkeit durch ein Sieb filtern, um die verbliebenen Pilzrückstände zu entfernen.
  • Einen gestrichenen Teelöffel Gummi Arabicum Pulver in 20 ml Wasser auflösen und rühren, bis ein zäher Brei entsteht.
  • Diesen tropfenweise in die Tinte einrühren, bis die Konsistenz etwas dicker wird.
  • Für einen feinen Duft und die nötige Konservierung sorgen ein paar Tropfen ätherischen Öls. Hier eignen sich besonders Wachholderöl, Nelkenöl, Lavendel und Salbei.

Weiterentwicklung mit Kupferessig

Ebenso einfach wie die Herstellung von Eisenacetat, ist die von Kupferacetat. Es genügen einige Kupfermünzen, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Durch die Nachbehandlung mit Kupferacetat wird ein dunklerer Farbton erzielt. Gelbtöne nehmen eine leicht grüne Färbung an.

Rezept zur Herstellung von Kupferacetat (Kupferessig)
  • Einige Kupfermünzen in ein großes Schraubglas geben.
  • Mit weißem, preiswertem Speiseessig auffüllen.
  • Das Glas verschließen und für eine Woche stehen lassen.
  • Danach den inzwischen dunkel gewordenen Essig absieben und in einem verschlossenen Glas bis zur Verwendung aufbewahren.
Kupferacetat

Die Wirkung der Weiterentwicklung mit Kupferessig wird bei diesen Beinstulpen deutlich. Die Wollstränge wurden mit Stechginsterblüten gefärbt und dann ein Teil mit Kupferessig weiterentwickelt. Danach wurden die Stulpen im Wechsel gestrickt.

Beinstulpen

Das Färbetuch

In meinen Rezepten werdet ihr immer wieder lesen, dass die Pflanzen ins Färbetuch eingebunden werden. Diesen Vorgang möchte ich hier näher beschreiben. Viele der verwendeten Pflanzen bzw. Pflanzenteile sind relativ klein. Vor allem bei Garnen bleiben sie während des Färbevorgangs im Gewebe hängen und lassen sich nur schwer wieder auswaschen. Daher binde ich das Pflanzenmaterial in ein Tuch ein. Je durchlässiger das Färbetuch, desto mehr Farbe kann durch die eingebundenen Pflanzen abgegeben werden. Ich verwende sehr gerne Seidentücher, Mulltücher oder Babywindeln. Diese können ebenfalls Teil des Färbevorgangs sein. So entstehen schöne Seidenschals oder Patchwork-Projekte.

Das in den einzelnen Rezepten angegebene Pflanzenmaterial wird der Anleitung entsprechend gekocht. Danach wird der Pflanzensud zur Seite gestellt, bis er abgekühlt ist. Dieser Sud wird durch ein Sieb gegossen, das ich mit dem Tuch auslege. So werden die Pflanzen ausgesiebt und verleiben im Tuch. Das binde ich dann fest zu und lege es dem Farbsud bei. Die eingebundenen Pflanzen werden dann zusammen mit den Textilien erwärmt.

Eisenessig aus Bohnerz

In unmittelbarer Nähe meines Wohnortes befinden sich versteckt im Wald die alten Erzgrubenweiher. In jedem Frühjahr suchen wir sie auf, um die Krötenwanderung zu beobachten. Das eigentlich interessante an diesen Weihern ist, dass es sich um stillgelegte Erzgruben handelt, die sich mit Wasser gefüllt haben. Schon die Kelten haben das Bohnerz zu Eisen verarbeitet. Archäologische Funde belegen, dass die Römer die Verhüttung des Bohnerzes fortgesetzt hatten. Es ist urkundlich belegt, dass bis Mitte des 19. Jahrhunderts auf der Ostalb die Gewinnung des Bohnerzes nach bergbaulichen Maßstäben betrieben wurde. Zurückgeblieben sind nun die idyllischen Weiher, die im schattigen Wald ruhen. Nichts erinnert mehr an das geschäftige Treiben, das über Jahrhunderte hier stattfand. In den Uferbereichen findet sich noch immer Bohnerz, das ich für die Herstellung von Eisenessig gesammelt habe.

Nachbetrachtung

Seit nunmehr einem guten Jahr färbe ich Wolle, Seide und Leinen aus Pflanzen. Wenn ich die Grünfärbungen so vor mir sehe, dann fällt mir eine Zeile aus Bilbos Lied ein: „ … in every wood, in every spring, there is a different green.“

Verschiedene Grüntöne

Bilbos Song
by J. R. R. Tolkien

„I sit beside the fire and think
of all that I have seen,
of meadow-flowers and butterflies
In summers that have been;

Of yellow leaves and gossamer
in autumns that there were,
with morning mist and silver sun
and wind upon my hair.

I sit beside the fire and think
of how the world will be
when winter comes without a spring
that I shall ever see.

For still there are so many things
that I have never seen:
in every wood in every spring
there is a different green.

I sit beside the fire and think
of people long ago,
and people who will see a world
that I shall never know.

But all the while I sit and think
of times there were before,
I listen for returning feet
and voices at the door.“

Die „Hermannsquelle“ in Bad Muskau

Bei unserer Wanderung rund um Bad Muskau stießen wir auf einen Bach, dessen Wasser rostig braun war. Es handelte sich um eine natürliche Eisenvitriolquelle, die in früheren Zeiten als Trinkkur genutzt wurde. Schade, dass ich keine mit Pflanzen gefärbte Wolle dabei habe, um sie hier am Bach zur Nachentwicklung eintauchen kann.

Hermannsquelle

Die Hermannsquelle

Wilde Farben – Natürliche Farben aus Färberpflanzen

Natürliche Farbstoffe bieten uns eine außergewöhnlich reiche Vielfalt  an herrlichen Farben an. Die lebendigen Farbstoffe  lassen sich aus Blättern, Wurzeln, Rinden. Blüten, Beeren, Pilzen und Flechten gewinnen.  Färberpflanzen bieten ein unerschöpfliches und komplexes  Spektrum an Farben, die sich in Harmonie ergänzen. Die Färbeergebnisse sind abhängig von der Bodenbeschaffenheit, Wetter oder dem verwendeten Wasser . Jeder Färbevorgang  wird  zu einer spannenden Erfahrung und regt zu kreativen Experimenten an.  Schon das Sammeln der nachwachsenden Rohstoffe ist ein sinnliches Erlebnis, das den Blick für die Natur schärft. Das Färben von Textilien mit Pflanzen ist ein  umweltfreundlicher, ästhetischer Genuss ohne giftige Chemie.