Garne – Klassisches Färbegut

Wolle

Gefärbte Wollsocken

Wollstränge aus reiner Schafwolle färbe ich sehr gerne, denn aus den bunten Knäueln lassen sich sehr schöne Kleidungsstücke stricken und häkeln.

Unter Schurwolle versteht man Textilfasern, die aus dem Fell lebender Schafe gesponnen werden. Ebenso werden sich aus der Wolle von Alpakas, Kaschmirziegen, Angorakaninchen oder Kamelen wertvolle Garne gewonnen, die sich sehr gut färben lassen.

Bei Wollknoll gibt es Garne zum Färben in verschiedenen Stärken und unterschiedlichen Materialzusammensetzungen in sehr guter Qualität.

Seidengarne

Sanfte Seidengarnfärbungen

Seide nimmt die Farben sehr gut an. Aus den eingefärbten Seidengarnen webt mein Mann Brettchenborten, die unsere Gewänder zieren.

Brettchenborten

Baumwoll- und Leinengarne

Pflanzliche Fasern nehmen die Pflanzenfarben deutlich schwerer an, als tierische Fasern. Dennoch lassen sich Baumwoll- und Leinengarne gut färben, auch wenn das Farbergebnisse nicht so intensiv wird. Die Garne sollten zuvor ausgewaschen und danach gut gebeizt werden.  Damit keine Waschmittelreste in den Fasern verbleiben, verwende ich pflanzliche Tenside wie Kastanie oder Seifenkraut für eine sanfte Wäsche. Zum Färben werden die Rezepte wie beschrieben angewendet.

Filz und Pflanzenfarben – eine gelungene Kombination

Auch meinen Filzarbeiten konnte ich mit Pflanzen sehr schöne Farben verleihen. Da die Filzfähigkeit der Wolle durch das Färben eingeschränkt wird, färbe ich das fertige Werkstück. Anfangs habe ich rohe Filzwolle gebeizt und gefärbt. Doch bei dieser Vorgehensweise musste ich feststellen, dass die Wolle zwar schön aussah, aber ganz schlecht gefilzt hat. Daher habe ich mir eine andere Vorgehensweise erarbeitet, die ich hier näher beschreibe.

Hier sind einige Beispiele von gefärbten Filzhüten.

Ligustergefärbter Filzhut
Holunderbeerengefärbter Filzhut
Johanniskraut-gefärbter Filzhut

Filz mit wilden Farben

Für die Zeitschrift „Holunderelfe“ habe ich einen Beitrag über die Herstellung dieses ganz speziellen Filzhutes geschrieben. Die Geschichte um den Holunder-Elfenhut könnt ihr in der Frühjahrausgabe 2021 lesen.

Hier möchte ich die einzelnen Arbeitsschritte des pflanzengefärbten Filzhutes beschreiben:

Begonnen wird mit dem Filzen

Dafür brauchen wir:
  • etwa 200 g naturweiße Wolle im Vlies (Kapmerino von www.wollknoll.de
  • 1 Stück feste Schrankfolie
  • 1 Stück hautschonende Seife
  • warmes Wasser
  • 2 Handtücher

Hüte werden als Hohlform gearbeitet. Dafür schneide ich ein Stück feste Schrankfolie in die gewünschte Form, die etwa 1/3 größer ist, als der Hut werden soll.

Die so zugeschnittene Schrankfolie wird nun gleichmäßig mit Wollvlies ausgelegt.

Das Vlies wird nun mit warmem Seifenwasser beträufelt. Ich habe mir die Arbeitstechnik angeeignet, dass ich mich von der Spitze weg bis zur Krempe vorarbeite.

Mit nassen, gut eingeseiften Händen massiere ich die Wolle zuerst sanft und dann fester, bis ein stabiler Filz entstanden ist.

Jetzt kann ich die Folie entfernen, den Hut auf links drehen und dann wird auch innen der Filz gut massiert.

Nun wird der Hut gewalkt, das heißt dass der Filz mit kräftigem Druck gerollt wird, damit er sich immer mehr verfestigt. Dadurch verliert der Hut auch einiges an Größe und schrumpft um etwa ein Drittel.

Dann wird der Hut gründlich in kaltem Wasser gespült werden, bis alle Seifenlauge entfernt ist.

Zum Schluss wird nochmals gründlich zwischen einem oder zwei Handtüchern gewalkt, bis der Hut seine gewünschte Größe hat.

Mit Hilfe einer alten Hutmacherform wird der Hut in seine endgültige Form gebracht, die er nach dem Trocknen auch behält.

Weiter geht es mit dem Beizen

Da die Filzfähigkeit der Wolle durch das Färben eingeschränkt wird, färbe ich das fertige Werkstück. Anfangs habe ich rohe Filzwolle gebeizt und gefärbt. Doch bei dieser Vorgehensweise musste ich feststellen, dass die Wolle zwar schön aussah, aber ganz schlecht gefilzt hat. Daher habe ich mir eine andere Vorgehensweise erarbeitet. Ich filze das Objekt aus roher, unbehandelter Wolle. Danach lege ich es über Nacht in Alaun-Beize, um es am nächsten Tag zu färben.

Die Farben können nur an der Faser haften, wenn dem Färben ein Beizvorgang vorangegangen ist! Die Moleküle der Beize setzen sich an die Fasern. An diesen wiederum haften dann die Farbstoffe und gehen eine Verbindung mit den Fasern ein.

Zum Ansetzen der Beize verwende ich einen Eimer, der ausreichend Platz für den großen Hut bietet. Außerdem brauchen wir Alaun und Wasser.
  • 150 g Alaun in 1 Liter warmen Wasser auflösen und dann in 24 Liter warmes Wasser einrühren
  • Den fertig gefilzten Hut gründlich in Wasser einweichen und dann feucht in das warme Beizbad einlegen

Ich bevorzuge das Verbleiben des Filzes im Beizbad über Nacht, damit die Beize gut eindringen kann. Eine längere Einwirkzeit ist immer möglich, verbessert jedoch das Färbeergebnis kaum.

Jetzt kann der Hut aus dem Beizbad genommen und nochmals gut ausgewaschen werden.

Jetzt bekommt der Hut seine Farbe

Nun ist der Hut gut auf den Färbevorgang vorbereitet. Zwischenzeitlich konnte ich die Pflanzen sammeln, um den Farbsud zu kochen. Beide Färbepflanzen lassen sich gut bevorraten und können daher in einem Vorgang verarbeitet werden. Holunderblüten färben getrocknet ebenso gut wie frisch. Holunderbeeren färben sogar besser, wenn sie zuvor eingefroren waren. Ich vermute, dass beim Einfrieren die Zellwände beschädigt werden und der Saft so besser austreten kann.

Die Krempe habe ich mit Holunderblüten gefärbt – die Spitze des Hutes mit Holunderbeeren.

Dafür werden 10 bis 12 Holunderblütendolden in 10 Liter Wasser aufgekocht und für einige Stunden ziehen gelassen.

Die Krempe des Hutes wird in den Farbsud gegeben. Der Hut bleibt so für einige Stunden im Farbbad. Danach wird er nochmals gründlich gewaschen, damit der Farbüberschuss ausgespült wird.

Für die Färbung der Hutspitze werden ungefähr 1 kg Holunderbeeren in 15 Liter Wasser aufgekocht und für einige Stunden ziehen gelassen.

Der vorgebeizte Filzhut wird nun mit der Spitze voran das Farbsud gegeben. Die bereits gefärbte Krempe habe ich ausgespart, indem ich sie am Rand des Eimers befestigt hatte. Der Hut bleibt so für einige Stunden im Farbbad. Danach wird er nochmals gründlich gewaschen, damit der Farbüberschuss ausgespült wird.

Mit einem alten Handtuch wird der Hut trockengewalkt und auf der Hutmacherform wieder in Form gebracht und getrocknet.

So ein großes Filzstück, wie der Hut ist für Anfänger schon recht schwierig. Ein einzelnes Blatt zu filzen und anschließend zu färben, das können sich auch ungeübte Filzer zutrauen. Hier wird ebenfalls zuerst aus weißer Merinowolle gefilzt. Die Blattadern habe ich aus grünem Kammzug aufgefilzt.

Dann kommt das Blatt in die Beize, während die Farbe aus den Flechten gekocht wird.

Wenn das Blatt dann aus dem Farbbad kommt, wird es noch etwas ausgewaschen, geformt und getrocknet.

Stoffe und Pflanzenfarben – natürliche Verbündete

Wild gefärbte Stoffe können das Ausgangsmaterial für ein neues Kleidungsstück sein. Auch fertigen Kleidungsstücken können durch Pflanzen neue Farben eingehaucht werden. Die besten Ergebnisse liefern Stoffe aus Naturfasern, egal ob tierischen oder pflanzlichen Ursprungs.

Seide

Reine Seide nimmt die Pflanzenfarben sehr gut an. Feine Seidentücher lassen sich leicht färben und auf vielfältige Weise verwenden.

Gefärbte Seidentücher

Baumwolle

Auf Flohmärkten kaufe ich antike Häkeldeckchen und Spitzen für wenig Geld. Oftmals sind sie verschmutzt oder haben einen Grauschleier. Einstmals wurden sie von fleißigen Frauen sorgsam und mit viel Aufwand hergestellt. Nach einem Pflanzenfarbbad sind die antiken Handarbeiten bereit für neue Möglichkeiten.

Häkeldeckchen aus Baumwollgarn mit Filzkugeln

Leinen

Zum Beziehen unserer Betten verwende nur antike Wäsche, die ich vor allem auf Flohmärkten kaufe. Die Stoffe sind meist aus Halbleinen, einer Mischung aus Leinen und Baumwolle. Die Kissen sind wahre Kostbarkeiten, die aufwändig mit Stickereien und Spitzen verziert wurden. Oftmals ist die Bettwäsche unbenutzt und wird von zarten Satinbändern zusammengehalten. Die Frauen haben die Schätze ihrer Aussteuertruhen geschont und nun werden sie auf dem Flohmarkt verschleudert. Diese wertvolle Wäsche verdient ein zweites Leben und ziert nicht nur mein Schlafzimmer, sondern wird auch zu Vorhängen Kissen und Tischdecken weiterverarbeitet.

Antikes Leinen ist frei von modernen Schadstoffen, langlebig und strapazierfähig. Doch nach langem Gebrauch und häufigen Waschen verschleißt auch das beste Laken. Doch anstatt es zu entsorgen, kann ich es noch in den Färbetopf tauchen und danach neu verarbeiten.

Manchmal kaufe ich auch antike Wäsche, die ihre besten Tage schon hinter sich hat. Diese kann ich dann ohne schlechtes Gewissen färben. Ebenso verfahre ich mit Stoffresten, die bei der Weiterverarbeitung anfallen.

Leinen ist eine pflanzliche Faser und nimmt die Pflanzenfarben deutlich schwerer an, als tierische Fasern. Dennoch lässt sich Leinen gut färben, auch wenn das Farbergebnisse nicht so intensiv wird. Die Stoffe sollten zuvor ausgewaschen und danach gut gebeizt werden.  Damit keine Waschmittelreste in den Fasern verbleiben, verwende ich pflanzliche Tenside wie Kastanie oder Seifenkraut für eine sanfte Wäsche. Zum Färben werden die Rezepte wie beschrieben angewendet.

Eco-Print – natürliche Muster und Farben auf Stoffen und Textilien

Kleidungsstücken und Stoffen kann nicht nur neue Farbe eingehaucht, sondern auch natürliche Muster aufgedruckt werden.

Dieses Seidenhemd habe ich zuerst gebeizt und dann mit den Blättern des Wilden Weins bedruckt.

Eco-Print mit Weinblättern