Färbepflanzen ernten und sammeln

Mit dem Sammeln der Pflanzen beginnt für mich der Spaß am Färben. Zu Beginn habe ich nur mit heimischen, selbst gesammelten Pflanzen gearbeitet und erst später die eine oder andere getrocknete Färbepflanze gekauft. Ich muss aber auch zugeben, dass nicht jeder meiner Versuche gelungen ist. Einige Pflanzen, die leuchtende Farben haben, hinterlassen auf Garn oder Stoff nur einen grauen Schleier. Andere wiederum haben mich angenehm überrascht.

Einige der Farben konnte ich Küchenabfällen wie zum Beispiel Zwiebelschalen, Blaukrautblättern oder Rote-Beete-Schalen entlocken. Selbst Rückstände aus der Marmelade-Herstellung landen im Färbetopf.

Meine Erfahrungen mit den einzelnen Pflanzen beschreibe ich bei den jeweiligen Rezepten.

Konservieren von Färbepflanzen

Nicht immer habe ich die Zeit, die gesammelten Pflanzen, Beeren, Rinden oder Wurzeln sofort zu verarbeiten. Es hat sich jedoch als völlig unproblematisch herausgestellt, die Färbepflanzen aufzubewahren. Vor allem Beeren können sehr gut eingefroren, um dann später verwendet  zu werden. Ligusterbeeren entfalten sogar mehr Farbeintensität, wenn sie eingefroren waren. Ich vermute, dass der Eiskristalle die Zellwände beschädigt und der Saft so besser austreten kann. Blätter und Blüten verlieren nichts an ihrer Färbekraft, wenn sie getrocknet werden. Ebenso ergeht es mit Rinden und Wurzeln, die sich hervorragend trocknen und zum Beispiel in alten Apothekergefäßen aufbewahren lassen.

Färbemittel

Färbemittel

Die Färberküche

In früheren Zeiten waren die Färberküchen wegen der Geruchsbelästigung am Rand der Ortschaften angesiedelt. Meist direkt an einem fließenden Gewässer, um so den hohen Wasserbedarf zu decken.
Da ich nicht mit überriechenden Substanzen färbe, habe ich meine heimische Küche zur Werkstatt gemacht. Hier habe ich eine Feuerstelle und reichlich fließendes Wasser. Ein bis zwei Töpfe, einen Eimer sowie einen Holzlöffel finde ich hier auch. Kurzum – es bedarf keines großen Aufwands, um Stoffe oder Garne mit Hilfe von Pflanzen natürlich zu färben.

Das Färbetuch

In meinen Rezepten werdet ihr immer wieder lesen, dass die Pflanzen ins Färbetuch eingebunden werden. Diesen Vorgang möchte ich hier näher beschreiben. Viele der verwendeten Pflanzen bzw. Pflanzenteile sind relativ klein. Vor allem bei Garnen bleiben sie während des Färbevorgangs im Gewebe hängen und lassen sich nur schwer wieder auswaschen. Daher binde ich das Pflanzenmaterial in ein Tuch ein. Je durchlässiger das Färbetuch, desto mehr Farbe kann durch die eingebundenen Pflanzen abgegeben werden. Ich verwende sehr gerne Seidentücher, Mulltücher oder Babywindeln. Diese können ebenfalls Teil des Färbevorgangs sein. So entstehen schöne Seidenschals oder Patchwork-Projekte.

Das in den einzelnen Rezepten angegebene Pflanzenmaterial wird der Anleitung entsprechend gekocht. Danach wird der Pflanzensud zur Seite gestellt, bis er abgekühlt ist. Dieser Sud wird durch ein Sieb gegossen, das ich mit dem Tuch auslege. So werden die Pflanzen ausgesiebt und verleiben im Tuch. Das binde ich dann fest zu und lege es dem Farbsud bei. Die eingebundenen Pflanzen werden dann zusammen mit den Textilien erwärmt.

Der Färbetopf

Als Färbetopf eignen sich ausgediente Edelstahl- oder Emailletöpfe. Der Topf sollte auf jeden Fall so groß sein, dass das Färbegut ausreichend Platz hat, um bewegt zu werden. Zudem muss das Färbetuch mit dem eingebundenen Pflanzenmaterial im Topf noch Platz finden.

Beizen

Nur durch ein dem Färben vorangegangenes Beizen ist es möglich, dass die Farbmoleküle beständig an der Faser haften! Die Moleküle der Beize setzen sich an die Fasern. An diesen wiederum haften dann die Farbstoffe und gehen eine Verbindung mit den Fasern ein.

Zum Ansetzen der Beize eigenen sich große Emaille- oder Edelstahltöpfe. Behälter aus anderen Materialien können bereits einen verändernden Einfluss auf den späteren Farbton beim Färben haben. Ich bevorzuge antike Eimer, die ich auf Flohmärkten gefunden habe.

Die gebeizten Textilien spüle ich vor dem Färben nochmals mit warmem Wasser aus. Ich hatte beobachtet, dass so die Farben intensiver werden. Im Buch „Leitfaden um Färben mit Pilzen“ bestätigt Karin Tegeler meine Annahme.

Die Farbstoffe legen sich auch an lose Moleküle der Beize und haften dann nicht der Faser an, sondern verbleiben ungenutzt im Sud.

Schonendes Beizen mit Alaun

Das Beizmittel Alaun ist als Pulver oder Kristalle erhältlich. Zur Schonung der Faser, die beim Beizen mit Alaun bei hohen Temperaturen angegriffen wird, verwende ich dieses alternative Verfahren:

Beizen von Wolle

Beizen von Wolle

Grundrezept

  • 150 g Alaun in 1 Liter warmen Wasser auflösen und dann in 24 Liter kaltes Wasser einrühren
  • 1000 g Textilfaser gründlich in Wasser einweichen und dann feucht in das kalte Beizbad einlegen
  • Textilfaser im Beizbad auf etwa 40 °C erwärmen

Ich bevorzuge das Verbleiben der Fasern im Beizbad über Nacht, damit die Beize gut eindringen kann. Eine längere Einwirkzeit ist immer möglich, verbessert jedoch das Färbeergebnis kaum.

Kalt Beizen mit Soda (Natriumcarbonat), Essigessenz und Alaun

Pflanzliche Fasern wie Baumwolle und Leinen nehmen die Pflanzenfarben eher verhalten an. Daher lege ich Textilien oder Garne aus Pflanzenfasern in essigsaure Kaltbeize ein. In alten Büchern habe ich gelesen, dass die Textilien eine Stunde im Sodabad gekocht werden sollten. Doch dieser Vorgang erwies sich als nicht gerade schonend für die Fasern. Nach einigen Versuchen hat sich diese Beize als besonders schonend und effektiv für die Färbung von pflanzlichen Fasern erwiesen. Die Vorbereitungszeit ist zwar deutlich länger, doch der Aufwand lohnt sich. Die Beize verdirbt nicht und kann so lange verwendet werden, bis sie aufgebraucht ist.

Grundrezept
  • Einen Eimer mit ungefähr 20 Liter Wasser bereitstellen
  • 150 g Alaun in 1 Liter warmen Wasser auflösen und dem Wasser im Eimer zufügen
  • 100 g Essigessenz ebenfalls dem Wasser zufügen
  • 50 g Natriumkarbonat/Soda in 1 Liter Wasser auflösen und dann ebenfalls einrühren. Die Essigsäure reagiert mit der alkalischen Lösung, daher ist ein wenig Vorsicht geboten!
  • 1000 g Textilfaser gründlich in Wasser einweichen und dann feucht in das kalte Beizbad für mindestens 12 Stunden einlegen
  • Fasern im Beizbad ab und zu sanft bewegen

Natriumkarbonat (Na2CO3) wird durch Abbau natürlich vorkommender Minerale gewonnen. Das auch unter der Bezeichnung (Wasch-)Soda oder kohlensaures Natron bekannte Reinigungsmittel ist preiswert von Heitmann oder Holste in Drogerien erhältlich. Es darf nicht mit Natriumbicarbonat, das auch Speisesoda bzw. Speisenatron genannt wird, verwechselt werden.