Beizen

Nur durch ein dem Färben vorangegangenes Beizen ist es möglich, dass die Farbmoleküle beständig an der Faser haften! Die Moleküle der Beize setzen sich an die Fasern. An diesen wiederum haften dann die Farbstoffe und gehen eine Verbindung mit den Fasern ein.

Zum Ansetzen der Beize eigenen sich große Emaille- oder Edelstahltöpfe. Behälter aus anderen Materialien können bereits einen verändernden Einfluss auf den späteren Farbton beim Färben haben. Ich bevorzuge antike Eimer, die ich auf Flohmärkten gefunden habe.

Die gebeizten Textilien spüle ich vor dem Färben nochmals mit warmem Wasser aus. Ich hatte beobachtet, dass so die Farben intensiver werden. Im Buch „Leitfaden um Färben mit Pilzen“ bestätigt Karin Tegeler meine Annahme.

Die Farbstoffe legen sich auch an lose Moleküle der Beize und haften dann nicht der Faser an, sondern verbleiben ungenutzt im Sud.

Schonendes Beizen mit Alaun

Kaliumaluminiumsulfat ist unter dem Namen Kalialaun oder Alaun bekannt. Schon in der Antike gewann man Alaun aus dem Mineral Alunit (Alaunstein), um es als Flammschutzmittel auf Holz zu verwenden. Bis ins ausgehende Mittelalter wurde der Alaunstein aus dem Orient eingeführt. Im Jahr 1462 wurde bei Rom ein reiches Alunitvorkommen entdeckt, das bis in das  Jahr 1500 von der Kirche und der Familie Medici ausgebeutet wurde. Danach konnte man den Alaun auch aus Schwarzschiefer oder Tonschiefer gewinnen und danach entstanden zahlreiche Alaunwerke in Europa.

Neben dem Einsatz in der Ledergerberei war Alaun für die Färberei unverzichtbar.

In der Medizin und in Rasiersteinen wird Alaun als Adstringens zum Stillen von Blut eingesetzt.

Als Lebensmittelzusatzstoff ist Kaliumaluminiumsulfat als Stabilisator und Festigungsmittel unter der Bezeichnung E 522 zugelassen.

Das mineralische Beizmittel ist in gemahlener Form als Pulver oder als Kristall erhältlich.

Um die Fasern zu schonen beize ich nicht mit hohen Temperaturen, sondern wende dieses alternative Verfahren an:

Beizen von Wolle mit Alaun

Grundrezept

  • 150 g Alaun in 1 Liter warmen Wasser auflösen und dann in 24 Liter kaltes Wasser einrühren
  • 1000 g Textilfaser gründlich in Wasser einweichen und dann feucht in das kalte Beizbad einlegen
  • Textilfaser im Beizbad auf etwa 40 °C erwärmen

Ich bevorzuge das Verbleiben der Fasern im Beizbad über Nacht, damit die Beize gut eindringen kann. Eine längere Einwirkzeit ist immer möglich, verbessert jedoch das Färbeergebnis kaum.

  • Die gebeizten Textilien mit warmem Wasser gründlich ausspülen

Kalt Beizen mit Soda (Natriumcarbonat), Essigessenz und Alaun

Pflanzliche Fasern wie Baumwolle und Leinen nehmen die Pflanzenfarben eher verhalten an. Daher lege ich Textilien oder Garne aus Pflanzenfasern in essigsaure Kaltbeize ein. In alten Büchern habe ich gelesen, dass die Textilien eine Stunde im Sodabad gekocht werden sollten. Doch dieser Vorgang erwies sich als nicht gerade schonend für die Fasern. Nach einigen Versuchen hat sich diese Beize als besonders schonend und effektiv für die Färbung von pflanzlichen Fasern erwiesen. Die Vorbereitungszeit ist zwar deutlich länger, doch der Aufwand lohnt sich. Die Beize verdirbt nicht und kann so lange verwendet werden, bis sie aufgebraucht ist.

Grundrezept
  • Einen Eimer mit ungefähr 20 Liter Wasser bereitstellen
  • 150 g Alaun in 1 Liter warmen Wasser auflösen und dem Wasser im Eimer zufügen
  • 100 g Essigessenz ebenfalls dem Wasser zufügen
  • 50 g Natriumkarbonat/Soda in 1 Liter Wasser auflösen und dann ebenfalls einrühren. Die Essigsäure reagiert mit der alkalischen Lösung, daher ist ein wenig Vorsicht geboten!
  • 1000 g Textilfaser gründlich in Wasser einweichen und dann feucht in das kalte Beizbad für mindestens 12 Stunden einlegen
  • Fasern im Beizbad ab und zu sanft bewegen
  • Die gebeizten Textilien mit warmem Wasser gründlich ausspülen.

Natriumkarbonat (Na2CO3) wird durch Abbau natürlich vorkommender Minerale gewonnen. Das auch unter der Bezeichnung (Wasch-)Soda oder kohlensaures Natron bekannte Reinigungsmittel ist preiswert von Heitmann oder Holste in Drogerien erhältlich. Es darf nicht mit Natriumbicarbonat, das auch Speisesoda bzw. Speisenatron genannt wird, verwechselt werden.

Beizen mit Rhabarberblättern

Beim Schreiben meines Buches „Grüner Putzen“ hatte ich mich mit der Verwendung von Rhabarberblättern- und schalen befasst. Die darin enthaltene Oxalsäure kann zum Beispiel zum Entfernen von Rostflecken verwendet werden. Weiterhin stieß ich auf den Hinweis, dass Oxalsäure zum Beizen von Holz eingesetzt wird. Seit einigen Jahren verwende ich die Blätter und Schalen von Rhabarber zum Färben.

Neben der vorgebeizten Wolle legte ich auch einen Strang ungebeizter Wolle in das Rhabarber-Farbbad ein.

Rhabarber-Beiz-Experiment

Das Foto zeigt den Unterschied zwischen der ungebeizten und vorgebeizten Wolle. Die ungebeizte Wolle wurde zwar nicht so intensiv dottergelb, doch hat die Farbe sehr gut angenommen.

In der Folge hatte ich den mit Rhabarber gebeizten Wollstrang mit Blutpflaumenblättern nachgefärbt. Das Färbeergebnis steht den vorangegangen Färbungen auf gebeizter Wolle kaum nach.

Ich kann daher das Experiment mit Rhabarberbeize als gelungen ansehen und werde sicher weitere Färbungen vornehmen. Um auch nach der Rhabarber-Saison eine Beize herstellen zu können, habe ich die Blätter und Schalen so klein wie möglich geschnitten und eingefroren.

Grundrezept zum Beizen von ungefähr 100g Wolle

 

  • Blätter und Schalen von 3 Stängeln Rhabarber klein schneiden
  • Zusammen mit ungefähr 3 Litern Wasser in einem Topf für etwa eine Viertelstunde kochen.
  • Abkühlen lassen und die Pflanzenteile absieben
  • Das Textilmaterial in den Sud einweichen
  • Textilfaser im Beizbad auf etwa 40 °C erwärmen
  • Die Textilfasern für einige Stunden oder über Nacht ins Beizbad legen, damit die Beize gut eindringen kann. Eine längere Einwirkzeit ist immer möglich, verbessert jedoch das Färbeergebnis kaum.
  • Die gebeizten Textilien mit warmem Wasser gründlich ausspülen.

Beizen mit Sojamilch

nach Rebecca Desnos nachzulesen in ihrem Buch „Botanical Colours at your Fingertips“

Bei dieser Beize habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Farbergebnis eher verhalten ist. Vor allem tierische Fasern wie Wolle und Seide nehmen die nachfolgende Färbung kaum an. Etwas bessere Ergebnisse konnte ich bei pflanzlichen Fasern wie Leinen, Hanf und Baumwolle erzielen.

Rezept zum Beizen mit Sojamilch nach Rebecca Desnos

 

  • Textilfasern in eine Schüssel oder einen Topf legen.
  • Sojamilch solange hinzugeben, bis die Textilfasern vollständig bedeckt sind.
  • Textilfasern für einige Stunden in der Sojamilch verweilen lassen.
  • Die gebeizten Textilien mit warmem Wasser gründlich ausspülen.

Färbepflanzen ernten und sammeln

Mit dem Sammeln der Pflanzen beginnt für mich der Spaß am Färben. Zu Beginn habe ich nur mit heimischen, selbst gesammelten Pflanzen gearbeitet und erst später die eine oder andere getrocknete Färbepflanze gekauft. Ich muss aber auch zugeben, dass nicht jeder meiner Versuche gelungen ist. Einige Pflanzen, die leuchtende Farben haben, hinterlassen auf Garn oder Stoff nur einen grauen Schleier. Andere wiederum haben mich angenehm überrascht.

Einige der Farben konnte ich Küchenabfällen wie zum Beispiel Zwiebelschalen, Blaukrautblättern oder Rote-Beete-Schalen entlocken. Selbst Rückstände aus der Marmelade-Herstellung landen im Färbetopf.

Meine Erfahrungen mit den einzelnen Pflanzen beschreibe ich bei den jeweiligen Rezepten.

Konservieren von Färbepflanzen

Nicht immer habe ich die Zeit, die gesammelten Pflanzen, Beeren, Rinden oder Wurzeln sofort zu verarbeiten. Es hat sich jedoch als völlig unproblematisch herausgestellt, die Färbepflanzen aufzubewahren. Blätter und Blüten verlieren nichts an ihrer Färbekraft, wenn sie getrocknet werden. Ebenso ergeht es mit Rinden und Wurzeln, die sich hervorragend trocknen und zum Beispiel in alten Apothekergefäßen aufbewahren lassen.

Färbemittel
Getrocknete Färbepflanzen in antiken Apothekergefäßen zieren das Küchenregal

Vor allem Beeren können sehr gut eingefroren werden, um dann später verwendet  zu werden. Ligusterbeeren entfalten sogar mehr Farbintensität, wenn sie eingefroren waren. Ich vermute, dass die Eiskristalle die Zellwände beschädigen und der Saft so besser austreten kann.

Beim Entsaften von Beeren für die Gelee-Herstellung bleiben immer reichlich Rückstände. Die kommen in den Färbetopf, bevor sie auf dem Kompost landen. Aus dem Trester von Aroniabeeren, Brombeeren und Holunderbeeren lässt sich noch viel Wolle färben. Da ich nicht alle Beeren auf einmal verarbeite, werden die Rückstände eingefroren, um sich dann in einer wunderbaren Färbesuppe zusammenzufinden. Das Ergebnis ist dann von der Zusammensetzung abhängig und auf jeden Fall schön.

Hier zieren die immergrünen Brombeerblätter im Winter den aus Brombeertrester gefärbten Filzhut.

Die Färberküche

In früheren Zeiten waren die Färberküchen wegen der Geruchsbelästigung am Rand der Ortschaften angesiedelt. Meist direkt an einem fließenden Gewässer, um so den hohen Wasserbedarf zu decken.
Da ich nicht mit überriechenden Substanzen färbe, habe ich meine heimische Küche zur Werkstatt gemacht. Hier habe ich eine Feuerstelle und reichlich fließendes Wasser. Ein bis zwei Töpfe, einen Eimer sowie einen Holzlöffel finde ich hier auch. Kurzum – es bedarf keines großen Aufwands, um Stoffe oder Garne mit Hilfe von Pflanzen natürlich zu färben.

Das Färbetuch

In meinen Rezepten werdet ihr immer wieder lesen, dass die Pflanzen ins Färbetuch eingebunden werden. Diesen Vorgang möchte ich hier näher beschreiben. Viele der verwendeten Pflanzen bzw. Pflanzenteile sind relativ klein. Vor allem bei Garnen bleiben sie während des Färbevorgangs im Gewebe hängen und lassen sich nur schwer wieder auswaschen. Daher binde ich das Pflanzenmaterial in ein Tuch ein. Je durchlässiger das Färbetuch, desto mehr Farbe kann durch die eingebundenen Pflanzen abgegeben werden. Ich verwende sehr gerne Seidentücher, Mulltücher oder Babywindeln. Diese können ebenfalls Teil des Färbevorgangs sein. So entstehen schöne Seidenschals oder Patchwork-Projekte.

Das in den einzelnen Rezepten angegebene Pflanzenmaterial wird der Anleitung entsprechend gekocht. Danach wird der Pflanzensud zur Seite gestellt, bis er abgekühlt ist. Dieser Sud wird durch ein Sieb gegossen, das ich mit dem Tuch auslege. So werden die Pflanzen ausgesiebt und verleiben im Tuch. Das binde ich dann fest zu und lege es dem Farbsud bei. Die eingebundenen Pflanzen werden dann zusammen mit den Textilien erwärmt.