Eisenessig aus Bohnerz

In unmittelbarer Nähe meines Wohnortes befinden sich versteckt im Wald die alten Erzgrubenweiher. In jedem Frühjahr suchen wir sie auf, um die Krötenwanderung zu beobachten. Das eigentlich interessante an diesen Weihern ist, dass es sich um stillgelegte Erzgruben handelt, die sich mit Wasser gefüllt haben. Schon die Kelten haben das Bohnerz zu Eisen verarbeitet. Archäologische Funde belegen, dass die Römer die Verhüttung des Bohnerzes fortgesetzt hatten. Es ist urkundlich belegt, dass bis Mitte des 19. Jahrhunderts auf der Ostalb die Gewinnung des Bohnerzes nach bergbaulichen Maßstäben betrieben wurde. Zurückgeblieben sind nun die idyllischen Weiher, die im schattigen Wald ruhen. Nichts erinnert mehr an das geschäftige Treiben, das über Jahrhunderte hier stattfand. In den Uferbereichen findet sich noch immer Bohnerz, das ich für die Herstellung von Eisenessig gesammelt habe.

Weiterentwicklung mit Eisenessig (Eisenacetat, Rostessig)

Als ich mich mit den Möglichkeiten der Weiterentwicklung der gefärbten Textilien befasste, entschied ich, dass für mich Eisensulfat und Kupfersulfat nicht in Frage kommen. Beide haben die Gefahrstoffkennzeichung „Umweltgefährlich“ und „Gesundheitsschädlich“ – dies lässt sich mit meinen Ansprüchen nicht vereinbaren.

Ich bevorzuge Eisenacetat, auch Eisenessig oder Rostessig genannt. Dieser wird durch eine Reaktion von Eisen mit Essigsäure gewonnen. Schon in der Antike wurden mit Galläpfeln und Eisenacetat Textilien fast schwarz gefärbt. Die Herstellung von Eisen- oder Rostessig ist sehr einfach.

Rezept zur Herstellung von Eisenacetat (Eisenessig, Rostessig)

  • Ein Stück Stahlwolle in ein großes Schraubglas geben.
  • Mit weißem, preiswertem Speiseessig auffüllen.
  • Das Glas verschließen und für eine Woche stehen lassen.
  • Danach den inzwischen dunkel gewordenen Essig absieben und in einem verschlossenen Glas bis zur Verwendung aufbewahren.

Die „Hermannsquelle“ in Bad Muskau

Bei unserer Wanderung rund um Bad Muskau stießen wir auf einen Bach, dessen Wasser rostig braun war. Es handelte sich um eine natürliche Eisenvitriolquelle, die in früheren Zeiten als Trinkkur genutzt wurde. Schade, dass ich keine mit Pflanzen gefärbte Wolle dabei habe, um sie hier am Bach zur Nachentwicklung eintauchen kann.

Hermannsquelle

Die Hermannsquelle