Tinte aus Schopftintlingen

Schon ab Ende September konnten wir in diesem Jahr an Waldrändern und in Wiesen größere Gruppen von Tintlingen finden. Es ist sehr auffällig, dass die Pilze ihre Erscheinung binnen weniger Tage verändern und das zunächst weiße Fleisch schnell schwarz zerfließt. In zahlreichen alten Pilzbestimmungsbüchern fanden wir den Hinweis, dass sich der Pilz zur Herstellung von Schreibtinte eignet. Jedoch konnten wir nur die Auflistung der Zutaten ohne konkrete Rezeptur finden. Also haben wir ein wenig probiert, bis wir mit diesem Rezept eine gut funktionierende Schreibtinte herstellen konnten.


  • 4 bis 5 Schopftintlinge für etwa 3 Tage in eine Schale legen.
  • Die so ausgelaufene schwarze Flüssigkeit durch ein Sieb filtern, um die verbliebenen Pilzrückstände zu entfernen.
  • Einen gestrichenen Teelöffel Gummi Arabicum Pulver in 20 ml Wasser auflösen und rühren, bis ein zäher Brei entsteht.
  • Diesen tropfenweise in die Tinte einrühren, bis die Konsistenz etwas dicker wird.
  • Für einen feinen Duft und die nötige Konservierung sorgen ein paar Tropfen ätherischen Öls. Hier eignen sich besonders Wachholderöl, Nelkenöl, Lavendel und Salbei.

Weiterentwicklung mit Eisenessig (Eisenacetat, Rostessig)

Als ich mich mit den Möglichkeiten der Weiterentwicklung der gefärbten Textilien befasste, entschied ich, dass für mich Eisensulfat und Kupfersulfat nicht in Frage kommen. Beide haben die Gefahrstoffkennzeichung „Umweltgefährlich“ und „Gesundheitsschädlich“ – dies lässt sich mit meinen Ansprüchen nicht vereinbaren.

Ich bevorzuge Eisenacetat, auch Eisenessig oder Rostessig genannt. Dieser wird durch eine Reaktion von Eisen mit Essigsäure gewonnen. Schon in der Antike wurden mit Galläpfeln und Eisenacetat Textilien fast schwarz gefärbt. Die Herstellung von Eisen- oder Rostessig ist sehr einfach.

Rezept zur Herstellung von Eisenacetat (Eisenessig, Rostessig)

  • Ein Stück Stahlwolle in ein großes Schraubglas geben.
  • Mit weißem, preiswertem Speiseessig auffüllen.
  • Das Glas verschließen und für eine Woche stehen lassen.
  • Danach den inzwischen dunkel gewordenen Essig absieben und in einem verschlossenen Glas bis zur Verwendung aufbewahren.

Konservieren von Färbepflanzen

Nicht immer habe ich die Zeit, die gesammelten Pflanzen, Beeren, Rinden oder Wurzeln sofort zu verarbeiten. Es hat sich jedoch als völlig unproblematisch herausgestellt, die Färbepflanzen aufzubewahren. Vor allem Beeren können sehr gut eingefroren, um dann später verwendet  zu werden. Ligusterbeeren entfalten sogar mehr Farbeintensität, wenn sie eingefroren waren. Ich vermute, dass der Eiskristalle die Zellwände beschädigt und der Saft so besser austreten kann. Blätter und Blüten verlieren nichts an ihrer Färbekraft, wenn sie getrocknet werden. Ebenso ergeht es mit Rinden und Wurzeln, die sich hervorragend trocknen und zum Beispiel in alten Apothekergefäßen aufbewahren lassen.

Färbemittel

Färbemittel

Eisenessig aus Bohnerz

In unmittelbarer Nähe meines Wohnortes befinden sich versteckt im Wald die alten Erzgrubenweiher. In jedem Frühjahr suchen wir sie auf, um die Krötenwanderung zu beobachten. Das eigentlich interessante an diesen Weihern ist, dass es sich um stillgelegte Erzgruben handelt, die sich mit Wasser gefüllt haben. Schon die Kelten haben das Bohnerz zu Eisen verarbeitet. Archäologische Funde belegen, dass die Römer die Verhüttung des Bohnerzes fortgesetzt hatten. Es ist urkundlich belegt, dass bis Mitte des 19. Jahrhunderts auf der Ostalb die Gewinnung des Bohnerzes nach bergbaulichen Maßstäben betrieben wurde. Zurückgeblieben sind nun die idyllischen Weiher, die im schattigen Wald ruhen. Nichts erinnert mehr an das geschäftige Treiben, das über Jahrhunderte hier stattfand. In den Uferbereichen findet sich noch immer Bohnerz, das ich für die Herstellung von Eisenessig gesammelt habe.

Nachbetrachtung

Seit nunmehr einem guten Jahr färbe ich Wolle, Seide und Leinen aus Pflanzen. Wenn ich die Grünfärbungen so vor mir sehe, dann fällt mir eine Zeile aus Bilbos Lied ein: „ … in every wood, in every spring, there is a different green.“

Verschiedene Grüntöne

Bilbos Song
by J. R. R. Tolkien

„I sit beside the fire and think
of all that I have seen,
of meadow-flowers and butterflies
In summers that have been;

Of yellow leaves and gossamer
in autumns that there were,
with morning mist and silver sun
and wind upon my hair.

I sit beside the fire and think
of how the world will be
when winter comes without a spring
that I shall ever see.

For still there are so many things
that I have never seen:
in every wood in every spring
there is a different green.

I sit beside the fire and think
of people long ago,
and people who will see a world
that I shall never know.

But all the while I sit and think
of times there were before,
I listen for returning feet
and voices at the door.“

Die „Hermannsquelle“ in Bad Muskau

Bei unserer Wanderung rund um Bad Muskau stießen wir auf einen Bach, dessen Wasser rostig braun war. Es handelte sich um eine natürliche Eisenvitriolquelle, die in früheren Zeiten als Trinkkur genutzt wurde. Schade, dass ich keine mit Pflanzen gefärbte Wolle dabei habe, um sie hier am Bach zur Nachentwicklung eintauchen kann.

Hermannsquelle

Die Hermannsquelle

Schonendes Beizen mit Alaun

Damit Pflanzenfarben in Textilfasern von z.B. Wolle eindringen können, muss diese aufgeschlossen werden. Diese Vorbereitung nennt man das Beizen. Zum Beizen eigenen sich große Email- oder Edelstahltöpfe. Behälter aus anderen Materialien können bereits einen verändernden Einfluss auf den späteren Farbton beim Färben haben. Das Beizmittel Alaun ist als Pulver oder Kristalle erhältlich. Zur Schonung der Faser, die beim Beizen mit Alaun bei hohen Temperaturen angegriffen wird, verwende ich dieses alternative Verfahren:

Beizen von Wolle

Beizen von Wolle

Grundrezept

  • 150 g Alaun in 1 Liter warmen Wasser auflösen und dann in 24 Liter kaltes Wasser einrühren
  • 1000 g Textilfaser gründlich in Wasser einweichen und dann feucht in das kalte Beizbad einlegen
  • Textilfaser im Beizbad auf etwa 40 °C erwärmen

Die Textilfaser verbleibt für mindestens sechs Stunden im Beizbad und sollte ab und zu sanft bewegt werden. Ich bevorzuge das Verbleiben der Fasern im Beizbad über Nacht, damit die Beize gut eindringen kann.

Wilde Farben – Natürliche Farben aus Färberpflanzen

Natürliche Farbstoffe bieten uns eine außergewöhnlich reiche Vielfalt  an herrlichen Farben an. Die lebendigen Farbstoffe  lassen sich aus Blättern, Wurzeln, Rinden. Blüten, Beeren, Pilzen und Flechten gewinnen.  Färberpflanzen bieten ein unerschöpfliches und komplexes  Spektrum an Farben, die sich in Harmonie ergänzen. Die Färbeergebnisse sind abhängig von der Bodenbeschaffenheit, Wetter oder dem verwendeten Wasser . Jeder Färbevorgang  wird  zu einer spannenden Erfahrung und regt zu kreativen Experimenten an.  Schon das Sammeln der nachwachsenden Rohstoffe ist ein sinnliches Erlebnis, das den Blick für die Natur schärft. Das Färben von Textilien mit Pflanzen ist ein  umweltfreundlicher, ästhetischer Genuss ohne giftige Chemie.